#11 Meine Gedanken zur Zukunft von OTT und Amazon im Sport + Final Hits

September 28, 2017

Nach dem ich mich in ausführlicherer Form mit der Major League Soccer beschäftigt habe (Part #1 & Part #2) und zuletzt einen kurzen Kommentar zu den neuesten Entwicklungen bei DAZN abgegeben habe, findet ihr in diesem Blog meine Gedanken zu:

 

  • “Single Sports - OTT Verticals” als Distributionsmodell der Zukunft?

  • Macht Amazon jetzt richtig ernst und welche aktuellen Rechteinhaber müssen sich am meisten fürchten?

  • Zum Abschluss wieder die Final Hits: Ein Thema - Ein Satz.

 

Zwischendrin wird es ein neues Segment geben -  also lasst Euch überraschen. Without further ado, let’s get started:

 

 

#1 Stand-alone OTT Verticals im Sport als Form der Distribution der Zukunft?

 

In den vergangenen Wochen ist mir eine interessante Entwicklung bei der Verwertung von erworbenen Sportrechten aufgefallen: Besonders in den USA und Großbritannien werden vermehrt dedizierte Over-the-Top Plattformen für einzelne Sportarten oder sogar Ligen gelauncht, die dann vom Kunden “a-la-Carte” erworben werden können.

 

Zwei konkrete Beispiele:

 

(I) NBC Sports Gold

 

NBC beheimatet seit Jahren ein äußerst umfangreiches Portfolio an nationalen und internationalen Sportrechten. Dies führt an Wochenende so weit, dass die zur Sendergruppe gehörenden Nachrichten- und Wirtschaftskanäle wie CNBC und MSNBC kurzerhand in Sportkanäle umfunktioniert werden und dabei Formel 1, NASCAR oder die englische Premier League übertragen. Der einfache Grund: Man hat einfach nicht genug Sendekapazitäten im linearen Fernsehen. Nun will man in den Führungsetagen von NBCUniversal aber anscheinend aus der Not eine Tugend machen und hat mit NBC Sports Gold einzelne “OTT Verticals” kreiert. Somit können Fans alle Events einzelner Sportarten bzw. Ligen (z.B. Formel 1, NASCAR, Notre Dame College Football) verfolgen ohne umfangreichere Abonnements abschließen zu müssen. Einzelne Packages sind dabei sogar für internationale Kunden möglich zu erwerben. (Für deutsche Kunden steht z.B. der Notre Dame Season Pass für EUR 49,99 zur Verfügung.) Den drastischsten Schritt in diesem Rahmen ist man bei NBC aber wohl mit der englischen Premier League gegangen. In der Vergangenheit wurden die ca. 130 Partien pro Saison, die es nicht auf einen der linearen TV-Sender geschafft hatten, kostenlos im Internet gestreamt. Mit dem Umzug auf “NBC Sports Gold - Premier League” zahlt man nur für diese (höchstwahrscheinlich weniger attraktiven) Spiele allein USD 49,99 pro Saison.

Während Fans von Manchester United, Chelsea London, Manchester City und anderen Top-Vereinen keinen großen Unterschied merken, da es sich nach den ersten Spieltagen bestätigt hat, dass die größten Zuschauermagneten weiterhin im linearen TV ausgestrahlt werden, scheinen die Unterstützer der kleineren Clubs in den sauren Apfel beißen zu müssen.

 

 

(II) Turner Sports OTT-Service für UEFA Champions League

 

Die Akquisition der exklusiven Rechte an mehr als 340 Spielen der UEFA Champions League und Europa League pro Jahr für den Zeitraum von 2018 bis 2021 für den US-amerikanischen Markt durch Turner Broadcasting Systems (“Turner”) verwunderte im ersten Moment viele Branchenexperten - ist das Medienkonglomerat um die Kabelsender CNN, HLN, TBS, TNT, Turner Classic Movies, Cartoon Network, Adult Swim, Boomerang und TruTV doch eher im Entertainment- und Nachrichtensegment angesiedelt. Auch über ein dezidiertes Sports-Network wie NBC, über welchem die Vielzahl an (gleichzeitig stattfindenden) Champions League Spielen ausgestrahlt hätten werden können, verfügt das Unternehmen aus Atlanta, Georgia nicht. Zudem hatte Turner im Gegensatz zu der Konkurrenz um NBC, ESPN und Fox Sports seit 27 Jahren nicht mehr auf Fußball als Teil ihrer limitierten Senderkapazitäten gesetzt. Dies hielt Turner jedoch nicht davon ab, für den dreijährigen Zyklus insgesamt ca. USD 180 Mio. zu zahlen und damit die prominente Konkurrenz um den aktuellen Rechteinhaber Fox Sports ausstechen zu können. Das (kostspielige) Aushängeschild im Sport bei Turner im linearen TV ist sicherlich die NBA: Im Gegenzug für USD 1,2 Mio. pro Saison überträgt der Sender TNT zweimal wöchentlich NBA Games in der Primetime.

 

Doch warum nun Fußball?

 

Dafür muss man sich die Unternehmensdivision “Turner Sports” etwas genauer anschauen und hinter die Flagship-Rechte “NBA”, “MLB” (einzelne Play-off Spiele) und “NCCA March Madness” blicken. Denn Turner Sports verfügt mit NCAA.com, NBA.com, PGA.com sowie dem Kronjuwel Bleacher Report über ein beeindruckendes Digital-Portfolio. Somit kann die Akquisition von mehr als 340 Spielen pro Saison mehr als Wette auf die digitale Zukunft des Unternehmens als auf das lineare TV gewertet werden. Nun verkündete Turner Sports, dass die akquirierten Fußball-Rechte der zentrale Bestandteil eines im kommenden Jahr startenden OTT Services werden würden - während nur einige wenige Spiele im linearen Fernsehen (TNT, TBS, TruTV) übertragen werden. Davon abgesehen denke ich , dass vor allem Bleacher Report, die bereits jetzt umfangreich über den internationalen Fußball berichten, im Endeffekt der Hauptprofiteur der nun getätigten Investitionen sein könnte.

 

Die Beispiele der Premier League (NBC) und UEFA Champions League (Turner Sports) zeigen, dass unter den Medienunternehmen die Hoffnung besteht, dass Fußball einen Mainstream-Appeal in Nordamerika entwickeln kann. Gleichzeitig konnte das OTT-Angebot der Major League Soccer im Vergleich zur nationalen Konkurrenz um NBA, NFL und MLB bislang noch kein großes Interesse wecken. Jedoch gibt es beim Fußball in den USA auch den einzigartigen Umstand, dass die nationale Liga deutlich von der internationalen Konkurrenz in Sachen Nachfrage geschlagen wird:

 

 

 

In der vergangenen Woche hatte ich mich ausführlicher mit DAZN beschäftigt und wenn ich nun diesen Trend hin zu sportspezifischen OTT Angeboten sehe und gleichzeitig beobachte, dass DAZN bereits ungemein in den Longtail mit ihren Sportrechten gegangen ist, kam mir der folgende Gedanke: Ich denke nicht, dass die Schnittmenge der Fans von den auf der Plattform angebotenen Randsportarten (z.B. Volleyball, Baseball, Eishockey, Rugby, MMA, Bowling, Feldhockey) dermaßen groß ist. Das führt mich zu der These, dass der gebotene Content für den einzelnen Hockey- oder Bowling-Fan nicht zum Abschluss eines monatlichen Abonnements für vergleichsweise teure 9,99 Euro ausreicht. Ich würde gerne sehen, welche Auswirkungen ein Stand-Alone Angebot dieser Randsportarten für z.B. 3,99 Euro pro Monat hätte. Ich könnte mir vorstellen, dass bei einem solchen Preispunkt, einige Fans dieser Nischen bereit wären, DAZN-Kunde zu werden.

 

Bislang ist diese sportarten- oder ligenspezifische “A-la-Carte Distribution” vor allem durch die Eigenverwertung der Medienrechte durch die US-Sportligen (z.B. NBA League Pass, NFL Game Pass, MLB.TV) bekannt. Dieser Distributionsweg wurde ursprünglich von der MLB mit der Gründung von MLB Advanced Media (Mutterkonzern von der kürzlich an Disney veräußerten BAMTech) aus der Not heraus im August 2002 gelaunched. Ein weiterer Hauptgrund, warum diese Form der Over-the-Top Distribution in Nordamerika seinen Ursprung hatte, ist die enorme Anzahl an Spielen während der regulären Saison. Dadurch konnten aufgrund limitierter Kapazitäten zwangsläufig bei weitem nicht alle Spiele im linearen Fernsehen übertragen werden. Nach der Adaption dieses Konzepts durch die anderen Major Leagues in den USA in den letzten Jahren zieht nun aber auch z.B. das Management um die neuen (nordamerikanischen) Besitzer der Formula One Group eine derartige Verwertung der eigenen Rechte ernsthaft in Betracht.

Der Unterschied nun ist, dass diese singuläre Verwertung durch die Rechtenehmer, die diese Medienrechte zunächst für horrende Rechtesummen von den Sportligen erwerben müssen, geschieht. “Common Sense” in der Medienindustrie war bislang, dass man seine wertvolleren (und somit teuren) Rechte mit seinen weniger attraktiven (und dementsprechend aber günstigeren) Rechten im sogenannten “Bundle” anbietet. Dadurch wurde der Kunde “gezwungen”, auch Senderprogramme zu erwerben, die eigentlich von keinem Interesse waren - solange man die begehrten Spiele der NFL (u.a. ESPN in den USA) oder Premier League (u.a. Sky UK in Großbritannien) haben wollte.

 

Die Frage wird sein, ob es für diese weniger begehrte Sportarten Abnehmer geben wird. Gleichzeitig sollte man versuchen, die hochpreisigen Bundles zu vermeiden, durch die den Sendern eine Menge potenzieller Umsatz durch Fans von Nischensportarten verloren geht. Es gilt für die Medienindustrie, die richtige Balance bei der Stückelung der Rechtepakete zu finden - ohne ein absolutes “A-la-Carte” Angebot zu kreieren, bei dem man im Extremfall einzelne Spiele als Einmal-Kunde erwerben kann. Das würde in Sachen Kundenfreundlichkeit zwar die Top-Note geben, dürfte für das betriebliche Ergebnis der Unternehmen allerdings nicht die ideale Lösung sein.

 

Gespannt darf man auch sein, wie sehr “A-la-Carte” das im kommenden Jahr an den Start gehende OTT-Angebot von ESPN sein wird. Darf man ersten Aussagen des Managements glauben, kann man sich sogar ein “iTunes des Sports” vorstellen - also ein Erwerb von Spielen auf Einzelbasis. Mit Premium-Inhalten wie der NFL oder NBA darf man allerdings nicht auf der neuen Direct-to-Consumer Plattform rechnen - die werden wohl weiterhin exklusiv im linearen TV von ESPN bleiben.

 

Auch im linearen TV gibt es übrigens ähnliche Entwicklungen in Richtung sportartenspezifische Angebote: Sky Sports UK hat in diesem Sommer ein Re-Branding ihrer Sports Channels durchgeführt. Fortan gibt es dort nicht mehr wie in Deutschland die durchnummerierten Sender Sky Sports 1, Sky Sports 2 etc., sondern dedizierte Sender für die einzelnen Sportarten wie Fußball, Formel 1, Golf und Cricket. Zudem hat sich Sky UK damit auch ein Stück weit von der Idee der Bündelung vieler Sportprogramme verabschiedet, da zumindest diese Sender "A-La-Carte" abonniert werden können - natürlich zu unterschiedlichen Preisen abhängig von der Sportart.

 

 

#2 Amazon gets serious with Sports

 

In den letzten Wochen sind die Ambitionen von Amazon im Sport immer konkreter geworden und auch der erste Testmarkt außerhalb der USA für ernsthafte Investitionen in Medienrechte wurde anscheinend ausgemacht - hier eine kurze, zusammenfassende Timeline:

 

1. August 2017

Amazon schnappt sich für Amazon Prime Video die exklusiven Rechte an der ATP World Tour für den britischen Markt und löst damit den nationalen Marktführer Sky ab. Für kolportierte GBP 10 Mio. pro Jahr (+25% im Vergleich zum vorherigen Sky-Deal) wird Amazon Prime Video - abgesehen von den vier Grand-Slam Turnieren - alle ATP Turniere der Tennis-Saison ab 2018 übertragen.

 

16. August 2017

Nach dem Amazon bereits zuvor einen ähnlichen Deal in Großbritannien abschließen konnte, schließt der E-Commerce Gigant eine Kooperation mit Discovery Communications für den Eurosport Player in Deutschland und Österreich ab. Trotz des sehr kurzfristigen Abschlusses der Partnerschaft zwei Tage vor dem Bundesliga-Start darf man behaupten, dass Amazon bzw. deren AWS - Plattform bisher bei weitem besser performt hat als das “Original” aus dem Hause Eurosport.

 

25. August 2017

Roy Price (Head of Amazon Studios) deutet auf dem Edinburgh International TV Festival, einem der bedeutendsten Events der TV-Industrie in Europa, eine aggressive Expansion des Unternehmens aus Seattle im Markt für Sportrechte an:

 

“People love sports – it’s big, it’s engaging, it really motivates people, so I think that’s a good opportunity. I think it’s definitely an opportunity we’ll explore.”

 

Bei derartigen Aussagen sollten bei allen Marktakteuren die Alarmglocken ringen - außer man ist der originäre Rechteinhaber.

 

12. September 2017

Auch im Bereich Original Series aus dem Sport macht Amazon weiter Druck. Nach dem enormen Erfolg der ersten beiden Staffeln von “All or Nothing” aus der NFL hat Amazon nun ein ähnliches All-Access Format für College Football angekündigt: Die Saison der Michigan Wolverines (#ProudAlumni #GoBlue) wird dokumentiert und ab Januar 2018 via Amazon Prime Video verfügbar sein.

 

21. September 2017

Amazon und die Tennis-Spielervereinigung ATP vertiefen ihre Partnerschaft durch die Vergabe der exklusiven globalen Medienrechte am Nachwuchsturnier ATP NextGen Finals bis Ende 2018 an das nordamerikanische Unternehmen. Ich kann mir vorstellen, dass Amazon die Übertragung der Nachwuchsserie vor allem als Testfeld für weitere Innovationen nutzen wird, bevor man mit diesen auf die ganz große Bühne treten möchte. Gleichzeitig wird die Amazon Prime Video - Plattform des E-Commerce Giganten der “Offizielle Streaming Partner” der ATP World Tour.

 

22. September 2017

Nach dem nur eine Woche zuvor erste Berichte über das Interesse von Amazon (und Netflix) an All-Access Dokumentationen über Manchester City, FC Chelsea und Liverpool FC auftauchten, wurde wenig später im Fall von Manchester City bereits Vollzug vermeldet: Das Unternehmen um CEO Jeff Bezos wird die Citizens durch den Rest der aktuellen Saison begleiten und konnte damit den Rivalen aus dem Silicon Valley ausstechen. Jedoch soll sich Netflix weiterhin mit den anderen beiden Vereinen in Verhandlungen befinden.

 

28. September 2017

Seit Verkündung des NFL-Deals für die aktuelle Saison im April wurde in der Medienbranche wild über die Aktivierung der Übertragung durch Amazon spekuliert - sodass eine “stinknormale” Übertragung mittlerweile eine wahre Enttäuschung wäre. Nach dem die Übertragung des ersten von elf NFL-Spielen (10x Thursday Night Football + 1x Christmas Special) am heutigen Donnerstag immer näher gerückt ist, sind immer mehr Details über die Pläne von Amazon ans Licht gekommen: #Alexa #OneKlickBuy #Multilingual

 

Das Spiel zwischen den Chicago Bears und Green Bay Packers ist der vorläufige Höhepunkt von Amazons Ambitionen im Sport und man darf gespannt sein, ob es dem Unternehmen gelingen wird, eine technisch reibungslose Übertragung bieten zu können.

 

Mein Tipp: Aufgrund des Umstands, dass es sich zwar um globale Rechte an den Spielen handelt, aber gleichzeitig hinter der Prime Video - Paywall verschwindet und auf weiteren Kanälen in den jeweiligen nationalen Märkten (z.B. USA: CBS & NFL Network // Deutschland: DAZN) verfügbar sein wird, wird sich der Traffic auf der Amazon-Plattform aller Voraussicht nach in Grenzen halten. Zudem verfügt Amazon mit AWS über einer der weltweit beeindruckendsten technologischen Infrastrukturen für das Hosting von Online-Content, sodass ich glaube, dass es von der technischen Seite keine Probleme geben wird.

 

 

Der Knaller

...kam jedoch vergangene Woche als mehrere Reports auftauchten, dass Amazon ernsthaft für den anstehenden Rechtezyklus der Premier League (Saison 2019/20 bis 2021/22)  bieten würde. Nach den oben zitierten Aussagen von Roy Price sind diese Gerüchte sicherlich nicht verwunderlich und bestätigen zudem, dass Amazon den britischen Markt - immerhin der zweitgrößte Markt für Sportrechte der Welt - als primäres Ziel außerhalb der USA ausgemacht hat. Die enormen Rechtesummen, die in Großbritannien umgesetzt werden, sind auch ein Resultat der drastischen Konkurrenzsituation auf dem dortigen Medienmarkt. Die Rivalität zwischen den nationalen Marktführern Sky UK und BT Sports hat bereits zu enormen Margendruck auf deren ehemals äußerst profitables Pay-TV Geschäft geführt. Während die BT Group ohnehin mit anderen Problemen (#AccountingFraud) zu kämpfen hat, hat auch die britische Division der Sky-Gruppe die glanzvollen Ergebnisse der vergangenen Jahre nicht wiederholen können. (#MarginPressure)

 

Deren Versprechen an Investoren, nach dem kostspieligen Rekord-Deal in 2015 für die Rechte an der English Premier League in Zukunft rationaler und gewissenhafter in Rechteverhandlungen zu agieren, konnten die Verantwortlichen beider Unternehmen jedoch nicht halten:

 

 

Im Gegensatz zu den Verantwortlichen bei der EPL dürften die verhärteten Gerüchte über einen Einstieg von Amazon in den Bieterprozess den beiden britischen Medienunternehmen somit überhaupt nicht gefallen.

 

Was mich allerdings ein bisschen an der Daily Mail - Story gestört hat, war die Aussage: “And with Amazon having the financial muscle to buy as many packages as they want [...]”. Das Kerngeschäft von Amazon ist immer noch das E-Commerce Geschäft und bisherige Investitionen in Video-Content hatten (fast) ausschließlich das Ziel, weitere Prime-Kunden zu akquirieren, die sich dann über das Kerngeschäft monetisieren lassen. Laut einer Schätzung der Investmentbank JP Morgan verfügt Amazon im aktuellen Jahr über ein “Video-Budget” von USD 4,5 Mrd. Auch wenn man einen beachtlichen Anstieg des Budgets in den kommenden Jahren berücksichtigt, ist das größte Investment in Sportrechte bislang immer noch der Deal mit der NFL für insgesamt USD 50 Mio. Sky UK und BT Sport zahlen über die nächsten drei Jahre zusammen GBP 5,14 Mrd. (ca. USD 6,9 Mrd.) für die nationalen Live-Broadcasting Rights alleine, womit das jährliche globale Gesamtbudget von Amazon bereits deutlich überschritten werden würde.

 

Grundsätzlich macht das Interesse von Amazon an den Rechten der Premier League besonders vor dem Hintergrund Sinn, dass vergleichbare Premium-Rechte für den jeweiligen nationalen Markt (z.B. NFL, NBA, Bundesliga, Olympische Spiele) nicht vor 2021/2022 (NFL) verfügbar werden. Ich glaube jedoch, dass im Fall der EPL die Akquisition von internationalen Rechten durch Amazon wahrscheinlicher ist - als dass sich Amazon direkt an die nationaler Rechte herantraut.

 

Warum?

 

  • Das Brand der EPL ist auf internationaler Ebene überdurchschnittlich populär im Vergleich zu den anderen größten Sportligen der Welt. (siehe Einschaltquoten in den USA) Während Ligen wie die La Liga, Bundesliga und Serie A nur einen Bruchteil ihrer Einnahmen aus der Vermarktung der Medienrechte in internationalen Märkten erzielen, beläuft sich der Anteil bei der EPL auf knapp 40% (ca. GBP 3,2 Mrd. für den Zeitraum von 2016 bis 2019) - das ändert sich auch nicht signifikant, wenn man die ca. GBP 200 Mio. berücksichtigt, die in gleichem Zeitraum durch die Vermarktung der nationalen Highlight-Rechte an BBC eingenommen werden. Die EPL ist eine von ganz wenigen Ligen, die in internationalen Märkten kein Nischenprodukt ist.

  • Amazon ist ein globales Unternehmen und denkt auch so. Ein derart enormes Investment für nationale (!) Rechte wäre nicht der effizienteste Einsatz von Ressourcen für das Unternehmen. Das wird besonders ersichtlich, wenn man bedenkt, was das eigentliche Ziel von Amazon (d.h. Prime - Kunden) ist und womit das Unternehmen sein Geld verdient (d.h. E-Commerce).

  • Auch auf dem Heimatmarkt in den USA ist die EPL ein vergleichsweise starker Zuschauermagnet:

 

 

 

 

Meine Vorhersage: Sky UK und BT Sports werden sich treu bleiben, und erbittert um die EPL-Rechte bieten, was einen weiteren deutlichen Anstieg der Rechtesumme zur Folge haben wird. Damit wird (mindestens) einer der beiden die Rechte auch über 2019 hinaus sein Eigen nennen dürfen. Für Sky UK im Besonderen sind diese Rechte überlebensnotwendig - genauso wie das für Sky Deutschland mit der Bundesliga der Fall ist.

 

 

#3 Chart of the Week

 

Twitter hat sich in den letzten zwei Jahren zu meiner absoluten Go-To Quelle für Informationen und News zum #SportsBiz entwickelt. Solange man ein wenig Zeit in eine ansprechende Follower-Liste investiert, gibt es aus meiner Sicht kein Medium, welches Twitter als Informationsaggregator das Wasser reichen kann. Einer der größten Mehrwerte von Twitter ist, dass man fast täglich interessanten und faszinierenden Charts über den Weg läuft und ich werde in Zukunft versuchen, es zur Regel zu machen, euch immer mein “Chart of the Week” vorzustellen. In der letzten Woche ist mir diese Darstellung des Durchschnittsalter der TV-Zuschauer der verschiedenen Sportarten in den USA im Gedächtnis geblieben:

 

 

Meine Key Take-Aways:

  • Den Fakt, dass das Durchschnittsalter bei ALLEN Sportarten seit Beginn des Jahrhunderts angestiegen ist, ist eine bedrohliche Entwicklung für die gesamte Sportindustrie - demographischer Wandel hin oder her.

  • Gleichzeitig bezieht sich das Chart lediglich auf das Medium “Fernsehen”, welches aufgrund der geänderten Konsumgewohnheiten der jüngeren Generation heutzutage allgemein etwas höhere Durchschnittsalter als die Grundgesamtheit an Fans ausweisen sollte.

  • Man fragt sich natürlich, wo die von der werbetreibenden Industrie so begehrten “Millennials” zu finden sind. Neben digitalen Empfangsmedien sollte man aber auch in Richtung anderer Sportarten schauen, die abseits der oben aufgeführten traditionellen Sportarten seit der Jahrtausendwende immer mehr in den Mainstream gerückt sind, blicken: Esports, Actionsports, …

  • So guter Letzt natürlich: H/T @axios on Twitter

 

 

#4 Final Hits

 

#1 NFL bei Yahoo Sports

Die Blicke am kommenden Donnerstag werden auf Amazon und deren (revolutionäre?) Rechteaktivierung liegen, wenn der E-Commerce Gigant aus Seattle das erste von elf NFL Spielen in dieser Saison übertragen wird. Untergegangen in dem ganzen Hype um Amazons Ambitionen im Sport ist, dass Yahoo für die weltweit exklusiven Rechte an dem Spiel in London am vergangenen Sonntag allein USD 21 Mio. bezahlt hat und dabei trotz der technischen Infrastruktur von Konzernmutter Verizon ein nicht ganz reibungsloses, aber weltweit exklusives Streamingangebot liefern konnte.

 

 

 

#2 Social Media bei der (neuen) Formel 1

Das Management der Formel 1 um Bernie Ecclestone hatte lange ein ähnliches Image wie die Besitzer der NFL Franchises (konservativ, wenig innovativ, …), aber dies änderte sich schnell und eindrucksvoll mit den innovativen Ansätzen vom neuen Management rund um Carey, Bratches und Brawn (#Rennatmosphäre), die in auch Sachen Entwicklung des Social Media Auftritts ein gutes Vorbild für die nordamerikanische Liga darstellen würde.

 

 

#3 Deal für Warriors und Lakers 

Obwohl aufgrund abweichender Umfänge der Sponsorings vielleicht Äpfel mit Birnen verglichen werden, scheint sich Geduld ausgezahlt zu haben: Mit den Golden State Warriors (USD 20 Mio. pro Jahr; Rakuten) und den Los Angeles Lakers (USD 12-14 Mio. pro Jahr; Wish) schlossen in den vergangenen zwei Wochen die Nummer 2 und 3 der wertvollsten NBA Franchises laut Forbes ihren Deal für die ca. 40 cm2 große Werbefläche auf ihrer linken Trikotbrust ab und konnten dabei die bisherigen Deals anderer Franchises (ca. USD 5-10 Mio. pro Jahr) deutlich in den Schatten stellen - vor allem die Boston Celtics (USD 7 Mio. pro Jahr; General Electrics) hätten meiner Meinung nach mit etwas mehr Geduld und vielleicht einer Suche auf internationaler Ebene deutlich mehr rausholen können.

 

 

#4 Mehr Schein als Sein?

Der neue NFL Game Pass für den europäischen Markt war mit großen Ankündigungen und einem eigens dafür gegründeten OverTier - Joint Venture aus WPP und Bruin Sports Capital an den Start gebracht wurden, aber mein erster Eindruck über die ersten drei Wochen der Regular Season fällt ernüchternd aus: Nicht funktionierende Re-Live Funktion bis zum Folgetag, Re-Lives grundsätzlich mit Werbepausen, wenig intuitive Benutzeroberfläche - und auf den Bug beim Free Trial möchte ich gar nicht erst weiter eingehen.

 

 

#5 Digital-only technologisch überhaupt möglich?

In Zeiten der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung in allen Facetten des Lebens frage ich mich manchmal, warum es derart viele technische Probleme bei Live-Streamingangeboten (#DAZN #MayweathervsMcGregor #EurosportPlayer) gibt, aber anscheinend ist dies eine Herausforderung, die die Medienbranche noch eine Zeit lang beschäftigen wird und eine exklusive digital-only Distribution von globalen Live-Sportevents über eine einzige Streaming-Plattform im Moment noch Zukunftsmusik ist, denn in einer kürzlichen Episode von The World’s Fastest Growing Sports Media Podcast with @SportsTVRatings sagte Rick Cordella (EVP Digital Media von NBC Sports), dass selbst die heutige State-of-the-Art Technologie bei nicht einmal 20 Mio. Live-Zuschauern ihre Limitationen zeigt und somit eine weitaus ernsthaftere Herausforderung darstellt, als ich persönlich gedacht hätte.

 

 

Das war's für dieses Mal. Mit dem Abonnieren meines RSS-Feeds oder meines Blog-Alerts bleibt Ihr immer auf dem aktuellsten Stand, sobald es etwas Neues von mir gibt. Wie immer würde ich mich über jegliche Diskussion oder Feedback freuen - egal ob direkt per Mail an yannick@offthefieldbusiness.de, als Kommentar auf der Startseite oder bei Twitter (@yannickramcke).  

 

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