#16 Special Quick Hit - Edition: Die 10 größten Storylines der Woche im Schnelldurchlauf

November 10, 2017

Der Welt des “Sports Business, Media & More” war in den letzten Tagen mal wieder von einer Vielzahl an spannenden, innovativen und auch schon mal nachdenklich machenden Storylines geprägt. Um dieser Flut an Neuigkeiten Herr zu werden, gibt es diese Woche eine “Special Quick Hit - Edition” mit den zehn Dingen, die meine Aufmerksamkeit gewinnen konnten.

 

               “Sport is the most distrupted of all industries.” – Satya Nadella (CEO of Miscrosoft)

 

Ihr habt es eilig? Pickt einfach Euren Favoriten und lest den Rest später:

 

 

 

Quick Hit #1 - Disney womöglich in Gesprächen mit 21st Century Fox

 

Die Aktie des Mutterkonzerns vom “Worldwide Leader in Sports” ESPN ist mit einer YTD-Perfomance von minus 4,6% doch eher eine Enttäuschung in diesem Jahr. War der Sport-Gigant aus Bristol jahrelang der Wachstumstreiber und eine wahre Geldmaschine für Disney, ist das “Four-Letter Network” in letzter Zeit eher aufgrund von fallenden Einschaltquoten, einer sinkenden Profitabilität aufgrund der immer weiter steigenden Akquisitionskosten für hochwertige Übertragungsrechte, heftigen Entlassungswellen (#BreakingNews) sowie politischen (#JemeleHill) und anderweitigen (#BarstoolVanTalk) Kontroversen aufgefallen. Die Wall Street forderte in letzter Zeit vermehrt radikale Schritte des “Mouse House”, welches in der letzten Woche ebenfalls durch fragwürdige Entscheidungen in den Schlagzeilen stand (#LATimes), um dem konzernweiten Geschäft und ESPN im Besonderen neue Kraft zu verleihen: Mit einer Übernahme Twitters, einem Spin-Off von ESPN oder einem eigenen Verkauf an Apple hat es den Vorschlägen dabei zumindest an Kreativität nicht gemangelt.

Einen ebenfalls radikalen, aber durchaus interessanten Vorschlag hat James A. Miller, bekanntlicher ESPN-Insider und Autor des Buchs “Those Guys Have All The Fun: Inside the World of ESPN”, vergangene Woche im Rahmen einer Gast-Kolumne in “The Hollywood Reporter” angesprochen. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie viel Aufsehen und Beachtung Miller’s Worte in Bezug auf ESPN in der Branche finden. Das war dieses mal nicht anders und der Beitrag ist mehr als lesenswert. Kurz zusammengefasst: ESPN sollte in Zukunft auf absolute Premium-Rechte an Live-Übertragungen wie der NFL verzichten. Das wäre der schnellste Weg zu den geforderten Kosteneinsparungen und das eingesparte Kapital könnte teilweise in die Stärkung des “Schulter-Programms” um die Live-Spiele herum in Form von Sendungen mit Highlights, Analysen und Debatten investiert werden - einer Strategie, die ich in der zunehmend fragmentierten Medienlandschaft und geänderten Konsumverhalten nicht unbedingt als erfolgversprechend halte.

 

Nun wurde Disney aber möglicherweise auf der Suche nach weiterem Wachstum doch aktiv: David Faber von CNBC berichtete exklusiv über seit Anfang Oktober geführte Gespräche zwischen dem Disney-Konzern und 21st Century Fox, wohinter sich vor allem Assets wie ein expansives Television-Network inkl. Produktionsstudios (FOX, Fox Sports 1+2, FOX News, FX, National Geographic etc.), mehrere Movie-Franchises inkl. Filmstudios (u.a. Avatar, X-Men, Ice Age) sowie Anteile am pan-europäischen Pay-TV Sender Sky PLC und der indische Pay-TV Anbieter Star verstecken. Da der Großteil der Sport - und News - Divisionen der Television-Networks (d.h. FOX, FS1, Fox News etc.) auch aufgrund von berechtigten Bedenken bezüglich kartellrechtlicher Einwände (#DOJ) nicht Teil des Deal Scopes sein soll, werden sich die Auswirkungen auf ESPN in Bezug auf den heimischen Markt in den USA jedoch in Grenzen halten.

 

Für uns in Deutschland hingegen könnte besonders die potentielle Komplettübernahme des Sky-Konzerns - ein erfolgreicher Abschluss der derzeit geplanten Übernahme der restlichen 61% der Sky-Anteile durch 21st Century Fox vorausgesetzt - spannend werden. In gewohnter “Quick Hit - Manier” hier meine meine Vor- und Nachteile für Disney / ESPN des kolportierten Deals:

 

VORTEILE

  • Stärkung des Film-Portfolios für die für 2019 geplante OTT-Plattform von Disney, die in direkter Konkurrenz mit Netflix um die Gunst der gleiche Zielgruppe stehen wird

  • Internationale Distribution von Disney-Content (v.a. im Entertainment-Bereich) über die Sky-Plattformen (und dem indischen Star-Network)

  • Erhöhung des In-House Bedarfs für die kürzlich mehrheitlich erworbene OTT-Plattform von BAMTech durch ein Umsiedeln von Sky Entertainment - und Sky Sport - Plattformen, die derzeit durch externe Technologie-Provider wie der nordamerikanischen NeuLion Inc. bedient werden

  • Erhöhung der Chance für das Durchwinken der Akquisition von Sky PLC durch die britischen Kartellbehörden durch die Trennung der mächtigen Television-Networks von Sky und Fox

  • Erlangen einer Mehrheitsbeteiligung am MVPD Hulu (bereits 12 Mio. Abonnenten in 2016), welches derzeit noch ein Joint Venture von Disney (30%), 21st Century Fox (30%), Comcast (30%) und Time Warner (10%) und zusammen mit Konkurrenten wie Sling TV, DirecTV und YouTube TV eine der neuen abonnement-basierten Video-on-Demand Plattformen auf dem nordamerikanischen Markt ist

 

NACHTEILE

  • Television-Network von 21st Century Fox als wahrscheinlich wertvollste und cash-generierende Business Unit nicht Teil des Deals (aufgrund von kartellrechtlichen Bedenken sicherlich auch schwer vorstellbar, wenn man sich die aktuellen Entwicklungen im AT&T / Time Warner - Merger anschaut)

  • Noch stärkere Abhängigkeit von steigenden Kosten für Medienrechte des Konzerns (ESPN ist bereits für ca. 40% der Umsätze und fast 50% des Operating Incomes des gesamten Konzerns verantwortlich) durch die Akquisition von Sky Sport, die sich vor allem in Großbritannien aber auch bereits in Deutschland und Italien negativ auf die Margen ausgewirkt haben

 

Für eine finale Bewertung eines potentiellen Deals ist es sicherlich noch zu früh, da auch lediglich erste Details an die Öffentlichkeit gelangt sind. Ich persönlich jedenfalls wäre sehr auf die Auswirkungen auf den europäischen und vor allem deutschen Pay-TV Markt gespannt. Allein deswegen würde ich einen solchen Deal willkommenheißen. Die beiden Conference Calls im Rahmen der Veröffentlichung der Quartalszahlen in dieser Woche blieben sowohl bei 21st Century Fox als auch bei The Walt Disney Company, die weiterhin enorm mit einem Abonnentenrückgang im Zuge der “Cord-Cutting” - Revolution zu kämpfen haben, wenig aufschlussreich über potentielle Übernahmegespräche.

 

Zwei weitere interessante Nuggets vom Disney-Call gab es jeodch:

 

(I) Die für 2019 geplante Disney-App soll “substantially” unter dem Angebot des Konkurrenten Netflix gepreist werden, aber auch einen geringen Umfang an Content bieten. Dabei wird jedoch auch Disney wahrscheinlich nicht davon ausgehen, dass Netflix in zwei Jahren noch für unter EUR 10 pro Monat zu haben sein wird.

 

(II) Die für Ende 2018 geplante ESPN App, der erste von ESPN angebotene OTT-Streamingdienst unabhängig von einem umfangreichen Kabel-Abonnement, soll unter dem Namen “ESPN Plus” gelauncht werden.

 

 

 

Quick Hit #2 - Major League Soccer mit Investment in Fanatics

 

Die Nachricht von der Ausweitung der Partnerschaft der MLS mit dem Fanartikel-Hersteller Fanatics hat mich wieder einmal daran erinnert, dass die aufgerufene Mindestsumme von USD 150 Mio. als Expansion Fee um zukünftig Teil der nordamerikanischen Fußball-Liga zu werden, es sei denn man heißt David Beckham (#USD25Millionen), mehr Schein als Sein ist: Jede Investment-Gruppe, die sich für ein solches Investment entscheidet wird nämlich nicht nur Mitglied des elitären Clubs der “MLS Franchise Owner”, sondern erwirbt auch einen proportionalen Anteil an den Beteiligungen der Major League Soccer LLC. Im Fall der MLS handelt es sich dabei vor allem um den im Jahr 2002 eigens gegründeten Marketing-Arm der MLS: Soccer Marketing United (SUM). Mittlerweile bedient SUM jedoch nicht nur die internen Bedürfnisse der MLS, sondern konnte mit dem nordamerikanischen Fußballverband USSF sowie den Kontinentalverbänden CONCACAF and CONMEBOL auch attraktive externe Kunden gewinnen und hat mittlerweile die absolute Vormachtstellung im Bereich Fußball-Marketing auf dem amerikanischen Kontinent inne. Seit diesem Sommer besitzt die MLS LLC auch wieder 100% der Anteile an SUM (inklusive einem 20%-Anteil an der mexikanischen Fußball-Liga) und konservative Schätzungen gehen mittlerweile von einer Unternehmensbewertung von mindestens einer Milliarde USD aus. Anders ausgedrückt: Von den USD 110 Mio., die die Besitzer der neuesten Expansion Franchise Los Angeles FC für den Beitritt zur kommenden Saison bezahlen, lassen sich vermutlich mindestens USD 50 Mio. durch den als einer von 23 gleichwertigen Anteilseignern erworbenen Anteil an SUM erklären.

 

Fanatics hingegen gilt als einer der heißesten Start-Ups der nordamerikanischen Sportindustrie. Gleichzeitig dürfte der Anteil der MLS an dem Sportartikelhersteller, der sich vor allem durch sein Netzwerk an Online E-Commerce - Plattformen auszeichnet, wohl kaum signifikant sein wird. But you get my point!

 

Eine realistische Bewertung, wie viel Interessenten wirklich bereit wären für den Beitritt in die MLS zu zahlen, würde eine Trennung jeglicher Expansion-Diskussionen von den Beteiligungen der MLS LLC erfordern. Zumal eine immer weiter voranschreitende Verwässerung ihrer Anteile an der (einzig) profitablen Business Unit (SUM) mit jeder weiteren Expansion Franchise auch nicht im Interesse der aktuellen Franchise Owner sein wird. Solange man davon jedoch absieht, werden die saftigen Expansion Fees der bis 2020 noch folgenden fünf weiteren Franchises weiterhin als “Lebenselixier” des ganzen Projekt “MLS”, welches auf konsolidierter Basis immer noch einen jährlichen Verlust von ca. USD 100 Mio. verbuchen soll, dienen.

 

 

 

Quick Hit #3 - Facebook weiterhin mit öffentlicher Zurückhaltung in Bezug auf Sport

 

Facebook konnte die Aktienmärkte mal wieder mit einem glänzenden Quartal beglücken - wäre da nicht die US-Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr gewesen. Aufgrund der verstärkten Bekämpfung von “Fake-News” zur Befriedigung des US-Senats stellte “The Social Network” seine Aktienbesitzer im Zuge des Conference Calls auf in Zukunft stark ansteigende Kosten ein. Von dieser Aussage konnte sich der Aktienpreis auch in den vergangenen eineinhalb Woche nicht erholen.

 

Eine weitere Beobachtung, die bei mir für Stirnrunzeln gesorgt hat, war, dass man sich weiterhin wenig aussagekräftig bezüglich dem möglichen Erwerb von Übertragungsrechten im Sport äußerte. Meiner Meinung nach ist ein Unternehmen, welches bereits seit einigen Monaten Live-Content von der MLB (u.a. exklusiver Deal mit den Chicago Cubs), der mexikanischen Liga MX, der UEFA Champions League und der MLS ausstrahlt und ihren “Watch-Tab” als strategischen Fokus ausgegeben hat, nicht in der Position für große Dementierungen. Zumindest seit dem an die Öffentlichkeit gelangten gescheiterten USD 600 Mio. - Angebot für die globalen Streaming-Rechte an der indischen Cricket-Liga IPL (Indian Premier League) scheint es offensichtlich, dass auch Facebook erkannt hat, dass Premium-Sport einer der letzten Zuschauermagnete in einer zunehmend fragmentierten Medienlandschaft darstellt. Damit dürfte Premium-Sport fester Bestandteil der Antwort von Facebook auf den industrieweiten Trend hin zu mehr Videoinhalten im digitalen Bereich (“Pivot-to-Video”) sein. Auch der anfängliche Standpunkt, dass man abgesehen von einem Revenue Sharing der Werbeeinnahmen nicht für Übertragungsrechte aus dem Sport zahlen würde, scheint mittlerweile mehr Wunschdenken als alles andere gewesen zu sein. (#UCLinIndiaforFree)

 

Wenn man sich den folgenden Kontext vor Auge führt, wird schnell deutlich, warum Facebook, Amazon, Twitter & Co. an reichweitenstarken Sport-Content interessiert sind:

Während die fortschreitende Digitalisierung bereits dazu geführt hat, dass die Gesamtausgaben der werbetreibenden Industrie im Online-Bereich diese im TV-Bereich überschritten haben, konzentrieren sich auch im Jahr 2017 die globalen Werbeausgaben im Rahmen von Bewegtbildinhalten (USD 209,9 Mrd.) weiterhin stark auf die Fernsehlandschaft (87%).

 

Doch während YouTube TV (#WorldSeries) und Amazon Prime Video, welches mir in der Redzone-Übertragung des NFL Network am vergangenen Spieltag aufgefallen ist, bereits aggressiv Werbung im linearen TV-Markt für Sportveranstaltungen für ihre Produkte schalten, bleibt Facebook zumindest öffentlich (noch) zurückhaltend - gleichzeitig scheint die Konkurrenz auf dem Sportrechtemarkt nicht kleiner zu werden. (#DraftKings)

 

 

Quick Hit #4 - DAZN und NBC Universal im Visier von Facebook, Amazon & Co.?  

 

In einem Blog-Beitrag vom 28. September 2017 schilderte ich meine Einschätzung zum Gerücht um das Interesse von Facebook und Amazon an den Übertragungsrechten an der englischen Premier League (EPL). Kurz zusammengefasst: Die vielerorts herbeigerufene Gefahr für die nationalen Rechteverwerter Sky UK und BT Sports hielt ich aus zweierlei Gründen für nicht-existent:

 

(I) Der Erwerb eines national beschränkten Übertragungsrechts für eine Summe, die das bisherige Gesamtbudget für Video-Content absolut sprengen würde, ist schlichtweg unrealistisch, wenn man bedenkt, dass es sich bei den beiden Unternehmen aus den USA um global aufgestellte Geschäftsmodelle handelt.

 

(II) Die internationalen Übertragungsrechte, die zu einem weitaus geringeren Preis zu haben wären, könnten stattdessen das begehrte Gut der Internetgiganten sein. Zwar sind diese für bestimmte Regionen (z.B. China) bereits für die vorhersehbare Zukunft zu stolzen Preisen vergeben worden, aber man könnte durchaus selektiv und opportunistisch bei einzelnen Zielmärkten agieren. Damit würden derzeitige Rechteinhaber wie DAZN (Deutschland) und NBC Universal (USA) ins Visier der Unternehmen von der amerikanischen Westküste geraten. Laut DAZN Marketing-Chef Benjamin Reininger handelt es sich bei der EPL um das derzeit wichtigste (!) Übertragungsrecht im Portfolio der OTT - Plattform. Ein weiterer Pluspunkt wäre, dass Zuschauer in vielen internationalen Märkten bereits an eine digital-only Distribution über Plattformen wie DAZN oder NBC Sports Gold gewöhnt sind. Einem traditionellen Fan aus Großbritannien erklären zu müssen, dass seine Lieblingsmannschaft zukünftig nur noch auf Facebook zu sehen ist, halte ich hingegen für ein kompliziertes Unterfangen.

 

Einige Tage nach meinem Blog-Post berichtete u.a. die New York Times über eine nun veröffentlichte Studie des Analystenhaus Enders zu diesem Thema und bestätigte darin viele meiner aufgestellten Thesen. Zudem gab man eine Schätzung für den nächsten dreijährigen Rechtezyklus ab: Demnach müssten Sky UK und BT Sports bis zu GBP 10 Mrd. aufbringen, um die derzeitigen Rechtepakete zu behalten. Meiner Meinung ist dies vollkommen utopisch: Beide Unternehmen (#SkyUK #BTSports) haben (wie ESPN) enorm unter den hohen Akquisitionskosten für Premium-Übertragungsrechte und dementsprechend sinkenden Margen zu kämpfen. Zwar haben die Verantwortlichen bereits in der Vergangenheit (vor allem nach dem letzten Rekord-Deal für die aktuellen Rechte an der EPL) mehr Zurückhaltung versprochen und haben dann dennoch oftmals erhebliche Aufschläge im Vergleich zur vorherigen Rechteperiode bezahlt (u.a. Sky UK → English Football League +100% & BT Sports → UEFA Champions League +133%). Eine gemeinsame Rechtesumme von bis zu GBP 10 Mrd. über die typische dreijährige Rechteperiode ist wirtschaftlich schlichtweg nicht stemmbar für die beiden Unternehmen - ob man wolle oder nicht.

 

Bereits heute wären die EPL-Rechte für Sky UK und BT Sports auf isolierter wahrscheinlich kein profitables Geschäft. Da die Live-Übertragungen der EPL jedoch als “Anker-Recht” für umfassende Pay-TV Bündel an verschiedensten Sendern dienen, sind die Medienunternehmen dadurch in der Lage, auch minderwertige Programminhalte an den Kunden zu bringen und auf diese Weise zu monetarisieren. Dieses attraktive Geschäftsmodell der Pay-TV Sender läuft allerdings Gefahr im Zuge des Trends hin zu “Skinny Bundles” oder “A-la-Carte Programmen” abgeschafft zu werden. Sky Sports hat sich diesem Trend in Großbritannien bereits unterwerfen müssen und ist seit neuestem mit einer neuen Sender- und Preisstrategie am Start.

 

 

Quick Hit #5 - Under Armour auch mit Brady, Curry, Spieth, Newton & Co. im Sinkflug 

 

Under Armour musste in der vergangenen Woche mehr als enttäuschende Quartalszahlen vorlegen und nachdem der Aktienpreis im Sommer 2015 bereits an der USD 50 - Marke (stock split - adjusted) gekratzt hatte, kämpft das Unternehmen aus Baltimore mittlerweile darum, einen zweistelligen Preis halten zu können.

 

Besonders erschreckend: UA wurde immer als der aufstrebende Neuling gegenüber den führenden Sportartikelherstellern Nike und Adidas angesehen, aber nun musste man im Vergleich zum vorherigen Quartal sogar einen Rückgang der Umsätze in Kauf nehmen und konnte auch gegenüber dem Vorjahresquartal nur ein minimales Wachstum von unter einem Prozent vorweisen. Wenn man etwas Positives suchen wollte, würde man wohl wie die Kollegen von SportTechie bei dem technologischen Fokus, der bereits seit der Unternehmensgründung im Jahr 1996 zur DNA des Unternehmens gehört, landen: Mit einem Wachstum von 16% ist es der am schnellsten wachsende Geschäftsbereich. Einziges Problem dabei ist, dass die Umsätze aus diesem Bereich mit USD 23,4 Mio. im letzten Quartal im Vergleich zum Gesamtumsatz von USD 1.400 Mio. momentan nicht mehr als der Tropfen auf den heißen Stein zu sein scheinen.

Gleichzeitig schaut man sich die bei UA unter Vertrag stehenden Athleten und sonstigen Testimonials an und fragt sich, ob es das Geld wert ist: Mit Stephen Curry, Tom Brady, Cam Newton, Bryce Harper und Jordan Spieth ist man eigentlich in allen für das Unternehmen relevanten Sportarten bestens aufgestellt. Zudem verfügt man mit Dwayne “The Rock” Johnson über einen der weltweit beliebtesten Schauspieler / Athleten / Social Media-Figuren inklusive einer eigenen Kollektionen (“Project Rock”) im Roster. Besonders der mangelnde Erfolg des zweifachen MVPs der NBA Stephen Curry ist für das Unternehmen aufgrund der enormen Wichtigkeit des (nordamerikanischen) Schuhmarkts ein Problem: Während die ersten drei Modelle seiner Signature-Shoe Reihe durchaus als Flop abgestempelt werden konnten, hatte ich bei den neuen “Curry 4” von Anfang an mehr Hoffnung. Wenn man die Schuhe jedoch bereits im Rahmen der letzten NBA Finals im Juni 2017 debütiert, jedoch bis heute aufgrund von “Änderungen am Design in letzter Minute” nicht auf den Markt gebracht hat, braucht man sich wohl im Nachhinein auch nicht über mangelnde Absatzzahlen beschweren. (#TimeToMarket)

 

Prinzipiell gehen die Meinungen vor allem bei der Vergabe von sogenannten “Signature Shoes” für einzelne Athleten zum Steigern der Absatzzahlen weit auseinander: Daniel Roberts von Yahoo Finance, meiner Meinung nach einer der absoluten führenden Journalisten im nordamerikanischen Sports Business, hat das Conundrum um den mangelnden Erfolg des Brands trotz absoluter Top-Athleten etwas näher beleuchtet.

 

Trotz der implizierten mangelnden Sinnhaftigkeit nehmen Nike, Adidas & Co. jedoch weiterhin Athleten für enorme Geldbeträge unter Vertrag - zwei aktuelle Beispiele: Zwar hat mich der USD 35 Mio. - Deal für Bulls Guard Zach LaVine über die nächsten vier Jahre von Adidas etwas gewundert, jedoch sollte und kann man den aktuellen Run des Unternehmens aus Herzogenaurach auf dem nordamerikanischen Markt nicht in Frage stellen. (#Momentum) Ob das “Verstecken” von Logos der Konkurrenten neuerdings Teil von Verträgen mit Adidas ist, weiß ich allerdings nicht. (#HideTheSwoosh) Jedoch kann man davon ausgehen, dass der Auftritt des Bulls-Guards beim Dunk-Contest im Rahmen des alljährlichen NBA All Star Weekends nun auch vertraglich verpflichtend sein wird. Die Vertragsverlängerung von Nike mit MVP-Anwärter Giannis Antetokounmpo - unabhängig von dem derzeit noch unbekannten Preis - ist meiner Meinung nach jedoch ein absoluter Volltreffer für das Unternehmen aus Oregon. Ob es “The Greek Freak”, der mit Abstand heißeste “Shoe - Free Agent” dieses Jahres in der NBA, jedoch schaffen wird, seinen Signature Shoe, der ihm im Rahmen des neuen Deals zugesagt wurde, zu einem Hit zu machen, bleibt auch hier zunächst fraglich. Mit dem Release der ersten Version wird zu Weihnachten 2019 gerechnet.

 

 

 

Quick Hit #6 - UFC als nächster Gradmesser für Medienrechte im Sport 

 

Meiner Meinung nach ist ein Grund, warum derzeit noch relativ viel Unklarheit über die zukünftige Entwicklung der Medienlandschaft und die Ambitionen von Facebook, Amazon & Co. im Sport besteht, dass in den letzten Monaten einfach keine Live-Rechte an Sportveranstaltungen mit globalem Appeal auf dem Markt waren. Der Großteil solcher “Premium Properties” waren bzw. sind noch für die unmittelbare Zukunft in festen Händen des linearen TVs: Die NFL (bis 2021/22), NBA (2025), EPL (2019), Olympische Spiele (USA: 2032 / Europa: 2024) und die Bundesliga (2021) sind nur einige Beispiele für die aktuelle Situation.

 

Eine echte Wasserstandsmeldung könnte jedoch in den nächsten Wochen kommen: Nachdem sich WME | IMG nicht mit dem aktuellen Rechteinhaber FOX (ca. USD 115 Mio. pro Jahr) während der vertraglich fixierten exklusiven Verhandlungsperiode einigen konnte, sind die vergleichsweise hochwertigen Rechte für den heimischen Markt nun öffentlich ausgeschrieben. Dabei wird es in den nächsten Wochen viele Fragen zu klären geben:

 

(I) Preisentwicklung: Während die Offiziellen der UFC einen neuen Deal, der jährliche Einnahmen von USD 400 - 450 Mio. einbringen soll, anstreben, mehren sich die Stimmen, die ein böses Erwachen für Dana White & Co. voraussagen. Ein Beispiel dafür wären die Kollegen von Awful Announcing in ihrem letzten Podcast. (#MediaRoundtable)

 

(II) Distributionskanäle: Dana White hat mittlerweile angekündigt, dass er sich eine rein digitale Distribution der UFC vorstellen könnte. (#DigitalOnly) Unabhängig davon, ob dies lediglich ein Resultat der (unerwarteten) mangelnden Zahlungsbereitschaft von ESPN und FOX ist oder nicht, ruft das natürlich schnell die unzähligen OTT-Plattformen in den USA auf den Plan. Während das lineare Free-TV für Sportorganisationen über Jahrzehnte die bevorzugte Option war, um ihr Produkt im Mainstream zu etablieren, wird diese Annahme im digitalen Zeitalter immer mehr hinterfragt werden. Persönlich denke ich, dass man (auch im Fall der UFC) nicht komplett auf eine Präsenz im TV verzichten möchte und es eine “Teillösung” mit Rechten für FOX oder ESPN (alternativ auch BeIN Sports) und einer digitalen Plattform (z.B. Facebook, Amazon, Twitter, Hulu, Roku, YouTube TV) geben wird. Zudem besitzt die Promotion mit ihrem UFC Fight Pass noch über eine eigene Plattform, über welche die Rechte zusätzlich eigenverwertet werden können. Nichtsdestotrotz ist man zum Beispiel in China, wo die Marktpenetration sicherlich nicht mit dem Heimatmarkt in den USA zu vergleichen ist, diesen “digital-only” Weg gegangen. (#PPTV) Zudem ist MMA sicherlich geeigneter als “Highlight-Sport” und für den mobilen Konsum als die NFL, NBA oder Fußball mit vergleichsweise langen Spielübertragungen. Es bleibt also spannend!

 

Ich sehe die UFC als nächsten echten Gradmesser für die mittelfristige Zukunft in der “Sports Media Landscape”.

 

 

 

Quick Hit #7 - Deutsche Bank mit Rückkehr in den Fußball

 

Im Rahmen des nun verkündeten Engagements der Deutschen Bank bei Eintracht Frankfurt über die nächsten drei Jahre wird das Unternehmen mit Hauptsitz in der Stadt am Main offizieller “Finanzplatz-Partner” des Bundesligisten - im Gegenzug für ca. EUR 1 Mio. pro Jahr.Meiner Meinung gibt es einfach bestimmte Branchen aus der werbetreibenden Industrie, die sich mehr (oder weniger) für Sponsorings im Umfeld des Sports eignen als andere. Anbieter von Sportwetten stellen diesbezüglich sicherlich eines der offensichtlichsten Beispiele für Branchen, die enorm von öffentlichkeitswirksamen Auftritten im Umfeld von Sportveranstaltungen profitieren, dar. Besonders die Affinität von (unter-)durchschnittlichen Teams und TV-Partnern der EPL für das Geld von (überwiegend aus dem asiatischen Raum stammenden) Wettanbietern haben schon des Öfteren meine Aufmerksamkeit auf Twitter (#1, #2 & #3) oder meinem Blog (#1 & #2) bekommen.

 

Vielleicht nicht ganz so offensichtlich, aber für ähnlich effektiv halte ich ein Engagement von Unternehmen aus der Finanzwirtschaft im Sport. Besonders im Umgang mit Geld ist Vertrauen des Kundens von höchster Bedeutung und welches Werbeumfeld ist besser geeignet als das emotionale, leidenschaftliche Umfeld des Sports bzw. Lieblingsvereins um eine persönliche Affinität bzw. Beziehung mit einer Marke aufzubauen? Besonders von dem berüchtigten “Image-Transfer” der Sportvereine auf seine Werbepartner kann das durch die Finanzkrise immer noch angekratzte Ansehen von Unternehmen wie der Commerzbank oder besonders der Deutschen Bank profitieren.

Ein Indiz dafür, dass dies auch die Firmen selbst erkannt haben, könnte zum Beispiel der enorm hohe Anteil von Banken und Versicherungsunternehmen als Naming Rights - Sponsoren im nordamerikanischen Sports sein.

 

Natürlich wird es bei der Eintracht langsam eng unter den Partner aus der Finanzwirtschaft: Mit der Frankfurter Sparkasse, der DWS Investments sowie der Deutschen Börse als Sponsoren war der Verein in diesem Bereich bereits zuvor gut ausgestattet. Zudem wird man sich zusammen mit der Deutschen Börse als Ärmelsponsor den Titel des offiziellen “Finanzplatz-Partners” teilen müssen - eine Bezeichnung, die sicherlich besser zu einem Handelsplatz als einer globalen Investmentbank passt. Eine Differenzierung des Sponsorings, welches sich besonders Fortschritte in der Digitalisierung beider Parteien zum Ziel gesetzt hat, könnte da schwer werden.

 

Nun hat auch der DFB das Sponsoring-Paket für den Finanzdienstleister ab 2019 neu ausgeschrieben. Und wenn wir mal ehrlich sind, einen Vorteil hätte die Deutsche Bank gegenüber dem aktuellen Partner des DFB (Commerzbank) jedenfalls: Eine “Deutsche (Auswechsel-)Bank”, als eine der wohl offensichtlichsten Aktivierungsmöglichkeiten, haben wir uns doch alle gewünscht.

 

 

 

Quick Hit #8 - Mal etwas Neues: Stagnation in der Premier League

 

Die Einnahmen der englischen Premier League und ihrer Mannschaften sind in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Dabei wurden die Einnahmen vor allem von der Vergabe der Medien- sowie Marketingrechte (Sponsorships, Namensrechte, Lizenzen etc.) getrieben. Nun musste aber The FA, die genau genommen natürlich unabhängig von der EPL ist, bereits zum zweiten Mal innerhalb der letzten Monaten eine Stagnation bei der Vermarktung von Sponsorships hinnehmen:

 

Man konnte sich zwar bei dem Naming-Sponsorship des FA Cups mit Emirates, die angeblich unzufrieden mit dem bisherigen Return of Investment waren, doch noch einigen, musste dabei aber laut Medienberichten eine Stagnation bei der Rechtesumme hinnehmen: Die Airline aus Dubai soll - wie auch im vorherigen Deal - für die nächsten drei Jahren insgesamt ca. GBP 30 Mio. zahlen.

 

Des Weiteren hat man nun den in Folge des Barton-Skandals Anfang des Jahres abgesetzten Wettanbieter Ladbrokes (#FAisnotEPL) als offiziellen Partner des nationalen Fußballverbands ersetzen können: Mit LG konnte man einen Partner gewinnen, der anscheinend die neuen Guidelines für Werbepartner erfüllt. Dabei hat das südkoreanische Unternehmen zumindest aus monetärer Sicht den gleichen Deal wie sein Vorgänger unterschrieben: GBP 4 Mio. pro Jahr über die nächsten vier Jahre.

 

In Zeiten von explodierenden Vermarktungsrechten im Sport ist Stagnation mal etwas Abwechslung. Jedoch wäre es besonders im zweiten Fall schon bezeichnend gewesen, wenn man aus der ganzen Situation noch mit zusätzlichen Einnahmen herausgegangen wäre.

 

 

 

Quick Hit #9 - Sind chinesische Internetgiganten leer ausgegangen?

 

Die chinesischen Interngigaten Alibaba, Tencent, Sina Weibo & Co. schwimmen vor allem in Bezug auf deren Ambitionen im Sport in der westlichen Wahrnehmung oftmals deutlich unter dem Radar. Vor allem gegenüber ihren nordamerikanischen Counterparts kommen sie mir zu kurz.

 

Nun konnte sich das staatliche Fernsehunternehmen CCTV jedoch die exklusiven und allumfassenden Rechte von der FIFA für die Herren-Weltmeisterschaften 2018 & 2022 sowie der Frauen-Weltmeisterschaft 2019 sichern. Obwohl CCTV jahrzehntelanger Partner des Fußball-Weltverbands ist, hat mich diese Nachricht, dass die Internetunternehmen hier vollkommen leer ausgegangen sind, doch etwas überrascht. Ich gehe davon aus, dass vor allem an den digitalen Rechten enorme Nachfrage von Seiten dieser Unternehmen bestanden hat. Daher ist meine Vermutung, dass die FIFA grundsätzlich plattformneutrale Übertragungsrechte vergeben wollte bzw. ausgeschrieben hat und sich mit CCTV für einen zuverlässigen Partner entschieden hat, der eine Distribution auch für weniger internet-affine Gesellschafts- und Altersschichten garantieren konnte. Gleichzeitig werden die (von mir erwarteten) Sublizenzierungen an die Alibabas und Tencents dieser Welt ein mehr als lukratives Geschäft für CCTV sein. Auch wenn bei CCTV eine profitable Refinanzierung vielleicht nicht ganz oben auf der Prioritätenliste stehen sollte, wäre ein Erhalt der derzeitigen Exklusivität in Zeiten zunehmenden Kooperationen unter Rechteverwertern doch überraschend. Aus Sicht der FIFA kann man da nur hoffen, dass sich der Verband ein Revenue / Profit Sharing mit CCTV in den Vertrag hat schreiben lassen.

 

 

 

Quick Hit #10 - Sports Illustrated als Nostradamus unter den Medienunternehmen

 

Die Geschichte des Sports Illustrated Covers mit dem Titel “The Houston Astros: Your 2017 World Series Champs” aus dem Jahr 2014 ist eine unglaubliche Geschichte. Wenn man damals Teams wie die LA Dodgers, NY Yankees oder den letztendlichen World Series Champion dieser Saison SF Giants gepickt hätte, wäre es heute wohl kaum einer Erwähnung wert. Mit den Houston Astros hat man sein Geld bei dem zu Time Inc. gehörenden Magazin damals jedoch auf das Team auf dem letzten Platz der AL West und den geringsten Gehaltsausgaben der gesamten Liga gesetzt. Dementsprechend gab es bereits im Jahr 2014 große Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Vorhersage. (#USAToday)

 

Dass man sich zudem auch noch für George Springer, der zum damaligen Zeitpunkt bereits talentmäßig deutlich hinter ähnlich jungen Mitspielern wie Carlos Correa oder José Altuve angesiedelt wurde, als “Cover-Boy” entschieden hatte, setzte dem Ganzen die Krone auf: Der Rightfielder wurde - in einer Saison, in der sein Kollege José Altuve wahrscheinlich die AL MVP-Auszeichnung gewinnen wird - dann doch eher überraschend zum MVP der Finalserie gekürt.

 

Einen interessanten Einblick in diese Geschichte bietet der “Off the Board” - Podcast mit Jimmy Traina, der SI’s Managing Editor Chris Stone zu Gast hatte. Eine von vielen interessanten Snippets: Die Personen / Themen des Covers der Sports Illustrated, die auch im digitalen Zeitalter noch immer eine von Athleten begehrte Würdigung sind, können (wie im Fall der Houston Astros im Jahr 2014) eine Entscheidung in letzter Minute oder auch bereits ein Jahr im Voraus feststehen.

 

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