Weekly Recap #11: Die mediale Vermarktung der Bundesliga im digitalen Zeitalter 📚

March 23, 2018

đŸ“©Â offthefieldbusiness.de - 5x5 Recommendations fĂŒr die KW11Â đŸ“©

 

Zum Abschluss der Woche gibt es den Recap der interessantesten 📚 BeitrĂ€ge und  🎧 Podcasts aus der vergangenen Woche: Die 5x5 Recommendations der Kalenderwoche  1ïžâƒŁ1ïžâƒŁÂ . 🙌

 

 

 

 

Meine persönlichen Favoriten dieses Mal:

 

 

 

📚 #1 SportsPro Media – DFL Digital Sports: Putting the ‘Pun-desliga’ on the Map (14.03.2018)

 

Andreas Heyden (CEO @ DFL Digital Sports GmbH) gab dem Branchenmagazin SportsPro Media in der vergangenen Woche ein weitreichendes Interview zum Status Quo der Fußball-Bundesliga und deren AktivitĂ€ten zur medialen Vermarktung im digitalen Zeitalter. GrundsĂ€tzlich muss ich sagen, dass ich es sehr begrĂŒĂŸt habe, derart detaillierte und ehrliche Einblicke in die strategischen Überlegungen und Herangehensweisen eines der grĂ¶ĂŸten Player (d.h. DFL) in der globalen „Sports Media Landscape“ erhalten zu haben. Gemeinhin reprĂ€sentieren sich die Parteien in dieser Industrie doch eher geheimnisvoll - vor allem, wenn es zu den neueren Marktteilnehmern wie Facebook, Amazon oder DAZN kommt.

 

In diesem Beitrag möchte ich mich jedoch auf zwei Hauptthemen aus dem Artikel konzentrieren sowie meine Quick Hits zu weiteren Zitaten aus dem Interview geben:

 

1ïžâƒŁSprache als Herausforderung fĂŒr enorme Ambitionen der Bundesliga bei der Internationalisierung

Mittlerweile sollte es nahezu allen professionellen Sportligen dieser Welt bewusst sein, dass zukĂŒnftiges Wachstum im Bereich der medialen Vermarktung neben dem digitalen Bereich vor allem außerhalb des Heimatmarkts zu finden sein wird: Zuletzt hatte u.a. LaLiga - PrĂ€sident Javier Tebas die internationalen MĂ€rkte als Wachstumsfeld ausgerufen, um im Rahmen der anstehenden Vergabe der Medienrechte fĂŒr den dreijĂ€hrigen Zyklus von 2019 bis 2021 finanziell zu der englischen Premier League aufschließen zu können. Allerdings kann man auch der DFL nicht vorwerfen, dass man das Potenzial außerhalb Deutschlands nicht frĂŒhzeitig erkannt hat. Im Gegenteil: SpĂ€testens mit der Umfirmierung der im Jahr 2008 gegrĂŒndeten hauseigenen Vermarktungs-Unit DFL Sports Enterprises zu DFL INTERNATIONAL GmbH hat man im Juli 2017 den Schwerpunkt der zukĂŒnftigen Wachstumsstrategie auch öffentlichkeitswirksam kommuniziert.

 

WĂ€hrend durch die Digitalisierung nationale Barrieren einfach zu ĂŒberwinden sind, wurde im Interview besonders die beschrĂ€nkte Reichweite der deutschen Sprache betont. Gleichzeitig ist man sich bewusst, dass man auch die wachsenden Fangruppen im Ausland zumindest in deren Sprache bespielen muss: „We have to approach the fans in the language they speak.“ Ich betrachte dies durchaus als einen validen Punkt und ernsthafte Herausforderung, denn wenn ich beispielsweise auf Twitter auf den englischen Account (@Bundesliga_EN) anstatt dem „deutschen Original“ angewiesen sein wĂŒrde, wĂ€re das sicherlich nicht ideal. Neben einem grĂ¶ĂŸeren Aufwand resultiert eine solche notwendige Personalisierung der Bespielung der einzelnen Fans zwangslĂ€ufig zu einer meiner Meinung nach unerwĂŒnschten Segmentierung der Fangruppen. (Von einer „Zweiklassen-Gesellschaft möchte ich hier nicht reden.) DiesbezĂŒglich scheinen ausgerechnet die beiden grĂ¶ĂŸten Konkurrenten um die FĂŒhrerschaft unter den europĂ€ischen Fußballligen bessere Voraussetzungen zu besitzen: Die nativen Sprachen der spanischen LaLiga (ca. 437 Mio. an  Muttersprachler) sowie der englischen Premier League (ca. 360 Mio. an Muttersprachler) weisen deutlich mehr "Native Speaker" auf als das deutsche Pendant - und gerade bei der englischen Sprache kommen noch mehr als eine weitere Milliarde an Personen hinzu, die die Sprache als Zweit- oder Drittsprache beherrschen.

 

Ganz ohne Wertung und ohne BerĂŒcksichtigung des strategischen Fokus, den die einzelnen Ligen auf Twitter als Kommunikationsplattform legen, habe ich mal die Anzahl der jeweiligen Follower auf dieser Plattform zusammengestellt: Irgendwie interessant. 

 

Englischsprachige Twitter - Accounts:

đŸ‡©đŸ‡ȘBundesliga: 751.000                                  đŸ‡Ș🇾LaLiga: 241.000                            🇬🇧 Premier League: 17,6 Mio.

 

Native Twitter - Accounts:

    Â đŸ‡©đŸ‡ȘBundesliga: 2,11 Mio.                                 đŸ‡Ș🇾LaLiga: 3,53 Mio.                           

 

 

UnabhĂ€ngig von sprachlichen Herausforderungen bzw. Vorteilen muss man allerdings festhalten, dass die deutsche und spanische Liga im Vergleich zur Premier League bei der Internationalisierung noch eine Menge aufzuholen haben. Sicherlich kann man der englischen Liga ein Kompliment fĂŒr ihren frĂŒhzeitigen Fokus auf die Marktentwicklung von Gebieten außerhalb des Vereinigten Königreichs machen. Gleichzeitig muss man sich aber auch die Frage stellen, wem dieses Kompliment wirklich gebĂŒhrt. Die Internationalisierung wurde nĂ€mlich in der Vergangenheit vor allem auf dem Level der Vereine vorangetrieben. Allen voran ist hier sicherlich Manchester United zu nennen, die bereits in den 1990er Jahren in Zusammenarbeit mit dem damaligen AusrĂŒster Adidas vor allem den asiatischen Markt aggressiv bearbeiteten und seitdem (wahrscheinlich) die mit Abstand beliebteste europĂ€ische Fußballmannschaft in asiatischen MĂ€rkten mit riesigem Potenzial wie China ist. Aus diesem Grund sollte die DFL meiner Meinung nach auch jegliche Ambitionen der einzelnen Vereine in Bezug auf die Internationalisierung unterstĂŒtzen, wenn man langfristig die Vermarktungserlöse in jenen MĂ€rkten maximieren möchte: Die Fans zahlen nicht um den Ligawettbewerb als vielmehr die einzelnen Mannschaften zu sehen.

 

WĂ€hrend die englische Premier League jedoch bereits in den wohl attraktivsten AuslandsmĂ€rkten wie  🇹🇳China (bis 2020 an CCTV fĂŒr ca. USD 233 Mio. pro Jahr) und den đŸ‡ș🇾USA (bis 2022 an NBC fĂŒr ca. USD 167 Mio. pro Jahr) „ausgecasht“ hat, sollten die Ligen aus Spanien und Deutschland kurzfristiger zu attraktiven Nachverhandlungen in diesen MĂ€rkten kommen und könnten ein wenig Boden gut machen. Aktuelle Konstellationen wie beispielsweise der Hype um einen Pulisic bei Borussia Dortmund sollte durchaus attraktive Möglichkeiten auf dem nordamerikanischen Markt kreieren können.

 

 

 

2ïžâƒŁ Eigenverwertung der Medienrechte eine Option fĂŒr die Zukunft?

Die Möglichkeit einer Eigenverwertung der audiovisuellen Verwertungsrechte durch die originĂ€ren Rechteinhaber (d.h. Sportorganisationen) ist in Nordamerika mittlerweile weit verbreitet, nachdem dieses Modell bereits im Jahr 2002 von der Major League Baseball und deren MLB.TV pioniert wurde. Nun ist dieses Thema aufgrund des schleppenden Vermarktungsprozesses in der Premier League auch im europĂ€ischen Fußball angekommen. Ähnlich wie im Fall der MLB, die damals als Reaktion auf mangelnde Einschaltquoten zunĂ€chst einzelne Spiele ĂŒber das Internet begann zu distribuieren um wenig spĂ€ter zur Saison 2003 mit MLB.TV das erste OTT-Streaming – Angebot auf den Markt brachte, scheint eine solche Eigenverwertung vor allem aufgrund mangelnder Alternativen bzw. Problemen zur Sprache zu kommen. Anders als die EPL befindet sich die Bundesliga derzeit jedoch in einer komfortablen Situation, da die audiovisuellen Verwertungsrechte noch langfristig vergeben sind und aktuell keine Notwendigkeit existiert mit der Drohung einer potentiellen Eigenverwertung, den Marktpreis fĂŒr die Medienrechte kĂŒnstlich nach oben treiben zu mĂŒssen - wie es zuletzt sowohl in der Premier League als auch der LaLiga zu beobachten war.

 

Nicht verwunderlich wird im Interview auch betont, dass man aufgrund vertraglicher BeschrĂ€nkungen im Rahmen der aktuellen Rechtesituation derzeit nicht in der Lage ist, eine aggressivere Eigenverwertung - beispielsweise in Form einer eigenen OTT-Plattform - auf den Markt zu bringen. Der aktuelle Rechtezyklus lĂ€uft zwar noch bis zum Ende der Saison 2020/21 bzw. fast dreieinhalb Jahre und eine solche Zeitspanne kann im schnelllebigen GeschĂ€ft der Medienindustrie eine Ewigkeit bedeuten, gleichzeitig benötigt der Aufbau einer validen und vor allem verlĂ€sslichen OTT-Plattform nicht nur monetĂ€re sondern auch zeitliche Ressourcen. Aufgrund dieser Konstellationen habe ich in einem frĂŒheren Beitrag bereits betont, dass es meiner Meinung nach keine gute Idee der EPL wĂ€re, ihre Androhung wahr zu machen und die noch verbliebenen zwei Rechtepakete ab der kommenden Saison kurzerhand selbst zu verwerten. Die technologischen ZuverlĂ€ssigkeitsprobleme einer exklusiven OTT-Distribution von bereits mittelgroßen Sportveranstaltungen sind schon erstaunlich und vor allem zahlreich:

 

  • DAZN und die Premier League in Deutschland (2016)

  • DAZN und die NFL in Kanada (2017)

  • Eurosport und die Bundesliga (2017)

  • Showtime mit dem McGregor-Mayweather Fight (2017)

 

Wie sehr diese Technologie noch in den Kinderschuhen steckt zeigt jedoch vor allem, dass es selbst bei Simulcasts des Programms, welches bereits ĂŒber das klassische TV ausgespielt wird und von dem ĂŒberwiegenden Großteil der Zuschauer in Anspruch genommen wird, enorme Probleme gibt. Ein persönliches Beispiel musste ich zuletzt beim Regular Season (!) - Spiel in der NBA zwischen den Houston Rockets und den Boston Celtics erleben, als ich mich in das Online-Portal meines Kabelanbieters Xfinity (by Comcast) eingeloggt hatte.

 

 

Stattdessen gibt es einige kreative Optionen, die der englischen Liga noch zur VerfĂŒgung stehen, um den aktuellen Ausschreibungsprozess in der Öffentlichkeit noch als Erfolg verkaufen zu können. Vielmehr Tatendrang sollten aus meiner Sicht stattdessen die neuen und anscheinend ambitionierten Marktteilnehmer aus dem digitalen Bereich auf der Nachfrageseite (d.h. Amazon, Facebook, YouTube & Co.) zeigen: Wenn man beispielsweise fĂŒr die kommenden Rechteperioden der Premier League und La Liga wieder leer ausgeht und erwartungsgemĂ€ĂŸ auch die aktuellen Vermarktungsprozesse der UFC (ab Januar 2019) und WWE (ab Oktober 2019) aussetzt, werden der Großteil der Medienrechte der fĂŒhrenden Sportorganisationen langfristig unter Verschluss sein: die englische Premier League (bis 2021/22), spanische LaLiga (bis 2021/22), deutsche Bundesliga (bis 2020/21), NFL (bis 2021 bzw. 2022), NHL (bis 2021/22), MLB (bis 2022) und die NBA (bis 2025/26).

 

Aus den dargelegten GrĂŒnden ist es also absolut nachvollziehbar, dass man sich Seitens der DFL derzeit zurĂŒckhaltend bezĂŒglich des Potenzials einer eigenen OTT-Plattform Ă€ußert und ich gehe auch nicht davon aus, dass die DFL nun im kommenden Rechtezyklus ab der Saison 2021/22 plötzlich der primĂ€re Verwerter des eigenen Contents wird. Faktoren wie das geringere Monetarisierungspotenzial im Vergleich zur Ausschreibung auf dem offenen Markt (#strategisches Marktpremium), die Übernahme des wirtschaftlichen Risikos sowie der Verlust der finanziellen Planbarkeit und die Übernahme der Marketing- und Vertriebsfunktion aufgrund fehlender medialer Multiplikatoren sind nur einige Herausforderungen, die in diesem Fall auftreten wĂŒrden.

 

 

đŸ”„Mein Hot-Take đŸ”„

 

Da mittelfristig eine (teil-)exklusive Eigenverwertung jedoch zahlreiche Möglichkeiten bietet, kann man meiner Meinung nach grundsĂ€tzlich davon ausgehen, dass diesbezĂŒglich gewisse Ambitionen Seitens der DFL fĂŒr die Zukunft bestehen: Vor allem ein die externen Lizenznehmer, die auch in der nĂ€chsten Rechteperiode den Großteil der Verwertungsrechte innehaben werden, flankierendes Premium-Produkt mit beispielsweise neuartiger Verwertung durch abgesteckte Kameras, einem Fan-View oder sonstigen Zusatzangeboten ist vorstellbar. Die Vorteile eines solchen Vorgehens mit einem zusĂ€tzlichen, unabhĂ€ngigen Angebot wĂ€ren durchaus erstrebenswert fĂŒr die DFL: Etablierung der DFL als valides Medienunternehmen im Schatten der externen Lizenznehmer, Sammeln von Erfahrungen als Distributionsmedium, „Scharf-Schalten“ des Angebots als Preistreiber in Ausschreibungsprozessen sobald eine gesellschaftliche Akzeptanz und ZuverlĂ€ssigkeit des Produkts bewiesen werden konnte, oder Nutzung als Notlösung im Falles eines fehlgeschlagenen Vermarktungsprozesses sind hier beispielhaft zu nennen. Obwohl sicherlich Unterschiede existieren wĂŒrden, könnte man die aktuelle Vorgehensweise der neuen Inhaber der Formel 1 als Vergleich heranziehen. Zwar steht anders als in der Rennserie ein Simulcast des exakt gleichen Programmsignals wie bei den externen Lizenznehmern meiner Meinung nach im Fall der Bundesliga auf absehbare Zeit nicht zur Debatte, vielmehr beziehe ich mich hier auf die Premium-Features (z.B. Onboard-View , Statistiken) die ĂŒber die F1 TV - Plattform empfangbar sein werden - fĂŒr einen Aufpreis von USD 4 zusĂ€tzlich zu den USD 8 pro Monat die fĂŒr den Simulcast des linearen Fernsehens fĂ€llig werden. Die Entscheidung fĂŒr eine eigene OTT-Plattform durch die neuen Inhaber Liberty Media Group in Zusammenarbeit mit der indischen Tata Communications war sicherlich vorausschauender geplant als dies im Fall der englischen premier League der Fall wĂ€re. Dass die Formel 1 nichtsdestotrotz wenige Stunden vor dem Start des ersten Rennwochenendes den Launch der Plattform verschieben musste, ist fĂŒr mich wenig ĂŒberraschend und beweist absolut meinen Punkt bezĂŒglich der EPL. Daher kann die DFL nicht frĂŒh genug anfangen ĂŒber der Planung einer eigenen OTT-Plattform nachzudenken, auch wenn diese erst in frĂŒhestens dreieinhalb Jahren zum Einsatz kommen sollte. Dabei könnte der Einsatz dieser OTT-Plattform in ihrem vollem Umfang (d.h. Live-Übertragungen der Bundesligaspiele) bei der Auslandsvermarktung nach dem Modell der NBA (NBA League Pass) oder NFL (NFL Game Pass) sogar noch eher zum Einsatz kommen und somit als ernsthafter Test fĂŒr das technologische Back-End dienen. 

 

 

 

 

3ïžâƒŁ Weitere interessante Take-Aways: Mediales Sperrfenster sowie DFL als Allround-Player 

 

🔈#1 

„On Wednesday we can do a lot with matchday footage but just showing highlight clips doesn’t service well. [
] We have quite well commercialised rights metrics.“

 

Mit dem zweiten Part dieser Aussage hat der GeschĂ€ftsfĂŒhrer von DFL Sports Digital sicherlich nicht untertrieben. Allgemein betrachte ich das Potenzial bzw. die Optimierung in Bezug auf die „ZerstĂŒckelung“ des Spieltags und den folglich vergebenen Verwertungsrechten in der Bundesliga zum jetzigen Zeitpunkt als absolut ausgereizt. Besonders vor dem Hintergrund der enormen Bedeutung der Erhaltung eines „Kernspieltags“ bzw. des besonders in Deutschland populĂ€ren Produkts der „Bundesliga-Konferenz“ sollte man hier in Zukunft Seitens der DFL nach anderen Hebeln suchen, um die medialen Vermarktungserlöse zu steigern. Mindestens genauso weitreichend sind meiner Meinung nach jedoch die Implikationen des ersten Parts der Aussage: Die Ursache fĂŒr das bis in die Wochenmitte andauernde Sperrfenster ist vor allem eine Folge des zum aktuellen Rechtezyklus neu dazugekommenen Highlight-Paket „N“ (Highlight-Berichterstattung am Montagabend zwischen 22:15 und 24:00 Uhr). Dieses konnte im Rahmen des letzten Ausschreibungsprozesse bereits nur ein lauwarmes Interesse bei den potenziellen Lizenznehmern auf der Nachfrageseite generieren. Mit einer durchschnittlichen Reichweite der Highlight-Show „100% Bundesliga“ von 0,17 Mio. Zuschauern auf dem Sender von Lizenznehmer RTL Nitro schafft es dieses – eine enorm hohe Karenzzeit aufweisende – „Bundesliga-Produkt“ auch nur eine sehr kleine Zielgruppe erfolgreich anzusprechen. Zudem sollten sich die monetĂ€ren Mehreinnahmen durch dieses Rechtepaket im Rahmen halten, wenn man bedenkt, dass Sport1 fĂŒr ein deutlich wertvolleres Verwertungsfenster der Highlights im Free-TV (Zweitverwertung am Freitag und Samstag) laut Medienberichten ca. EUR 10 Mio. pro Saison zahlen soll. Davon abgesehen sollten jedoch besonders die OpportunitĂ€tskosten dieses zusĂ€tzlich geschaffenen Verwertungsfensters (= Drittverwertung im Free-TV) berĂŒcksichtigt werden: Eine nur sehr eingeschrĂ€nkt mögliche Berichterstattung (z.B. Spieltagsanalysen, Nachrichten) ĂŒber die Fußball-Bundesliga bis Montagabend ist sicherlich nicht förderlich fĂŒr die mediale PrĂ€senz und öffentliche Diskussion fĂŒr das wertvollste Produkt in der deutschen Sportlandschaft. Die DFL selber scheint sogar zusĂ€tzlich noch den gesamten Dienstag von einer medialen Verwertung von Inhalten des letzten Spieltags ĂŒber ihre eigenen sozialen KanĂ€le ausgeschlossen zu sein. FĂŒr zukĂŒnftige Ausschreibungsprozesse sollte man sich bei der DFL also diesem Trade-Off zwischen einer aggressiven Segmentierung bzw. Monetarisierung und der Förderung der öffentlichen Diskussion zwischen den Wochenenden bewusst sein.

 

 

🔈#2 

„If you take the value chain of when is live video material and data material generated and how does it reach the end customer, I am sure the positioning in the media competence of the Bundesliga is quite unique.“

 

Die Bundesliga ist auf globaler Ebene vielleicht das Paradebeispiel unter den fĂŒhrenden Sportligen fĂŒr die zunehmende VorwĂ€rtsintegration der originĂ€ren Rechteinhaber (ORIs) entlang der Wertschöpfungskette des „Sports Media Market“. WĂ€hrend anderen Formen von Sportorganisationen bzw. ORIs wie die UFC, WWE oder zahlreiche Beispiele aus dem Esports bereits in der Vergangenheit eine solche VorwĂ€rtsintegration (z.B. audiovisuelle Produktion und Distribution der Sportveranstaltungen) enorm vorangetrieben haben, ist diese Entwicklung besonders im europĂ€ischen Fußball nicht nur relativ neu sondern auch nahezu einzigartig zum jetzigen Zeitpunkt. Im konkreten Beispiel der Bundesliga war der Aufbau interner ProduktionskapazitĂ€ten nĂ€mlich eine Reaktion auf externe Faktoren: Um in der Folge der finanziellen Schwierigkeiten der KirchMedia-Gruppe eine gleichzeitig finanzielle und produktionstechnische AbhĂ€ngigkeit von dem externen Lizenznehmer der audiovisuellen Live-Verwertungsrechte zukĂŒnftig zu vermeiden, entschied man sich bei der DFL fĂŒr die GrĂŒndung der Sportcast GmbH. Dieses Vorhaben materialisierte sich schlussendlich zum Start der Saison 2006/07: Seitdem produziert das hundertprozentige Tochterunternehmen der DFL als Host Broadcaster das TV-Basissignal fĂŒr alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga. Diese Konstellation beschert der DFL im Vergleich zu beispielsweise der Premier League (BT Sport & Sky Sport) und LaLiga (MediaPro), die die Produktion der Spiele weiterhin durch die Lizenznehmer der Live-Verwertungsrechte durchfĂŒhren lassen, vor allem zwei ganz entscheidende Vorteile:

 

✅ #1 Digital-only Unternehmen als sofortige ebenbĂŒrtige Interessenten an Medienrechten 

Das Problem der fehlenden Produktionsexpertise und -erfahrung im Rahmen von Live-Sportveranstaltungen der neuen digital-only Player wie Amazon, Facebook oder Twitter ist fĂŒr die DFL nicht zutreffend. Im Gegenteil: Auch wenn die aktuellen Lizenznehmer Sky Deutschland und Eurosport sich durch proprietĂ€re Eigenproduktionen um eine redaktionelle Aufwertung des Bundesliga-Programms (besonders im Schulter- und Rahmenprogramm) bemĂŒhen, nehmen diese Unternehmen zunehmend die Position einer reinen Distributionsplattform ein. Welche reichweitenstarke Plattformen im Zuge der zunehmenden Akzeptanz der digitalen Technologie als beispielsweise Facebook oder YouTube sind zukĂŒnftig vorstellbar? Im Fall der DFL könnte man bei dieser Konstellation dann sogar eine unangenehme Situation wie in der MLS vermeiden, in der ein anderer Lizenznehmer und direkter Konkurrent (hier: Univision) das Programmsignal fĂŒr die exklusive Verwertung durch ein digital-only Unternehmen (hier: Twitter) produziert. Stattdessen wĂŒrde die Konstellation einem kĂŒrzlich verkĂŒndeten Deal in der MLB Àhneln, im Rahmen dessen die Liga (via MLB Network) das Programmsignal fĂŒr die exklusive Verwertung auf Facebook produziert.

 

✅ #2: Weitreichende Möglichkeiten der Eigenverwertung durch In-House Produktion

FĂŒr eine Eigenverwertung wĂ€re man anders als beispielsweise die EPL nicht auf einen (womöglich verbitterten) externen Produktionspartner wie BT Sport oder Sky Sports angewiesen, um das Produkt eigenstĂ€ndig an den Markt zu bringen. Im unwahrscheinlichen Fall einer Eigenverwertung durch die EPL ab der kommenden Saison wĂ€re ich sehr gespannt, welche Partei die Produktion ĂŒbernehmen wĂŒrde. Da die aktuellen Rechteinhaber allerdings zufrieden mit ihren bereits erhaltenen fĂŒnf Rechtepaketen zu sein scheinen, wĂŒrde es wohl dieses Mal nochmal auf BT Sport oder Sky Sports hinauslaufen. Gleiches dĂŒrfte man bei einer umfangreicheren bzw. aggressiveren Eigenverwertung durch den ORI in Zukunft nicht mehr zu erwarten sein.

 

 

🔈#3 

„We have Bundesliga international as a sales company so we’re not dependent on a different partner like a sport sales agency, we do it ourselves.“

 

Im Rahmen dieser Aussagen bezieht sich Andreas Heyden wohl auf eine Thematik, die ich bereits in einem vorherigen Blog meinerseits ausfĂŒhrlich betrachtet habe und ebenfalls Teil der VorwĂ€rtsintegration durch die DFL ist: Die Disintermediation von Sportrechteagenturen in der Wertschöpfungskette. WĂ€hrend ich auf die Gefahren und der daraus resultierenden notwendigen Neuorientierung der traditionellen Agenturen bzw. deren ehemals Ă€ußerst profitablen GeschĂ€ftsmodells damals bereits eingegangen bin, möchte ich hier kurz auf die Vorteile eines solchen Vorgehens fĂŒr die DFL eingehen: Nachdem man in Vergangenheit anscheinend unzufrieden mit der Auslandsvermarktung durch externe Sportagenturen war, entschied man sich nun, diese AktivitĂ€ten zumindest auf dem Großteil der wichtigsten AuslandsmĂ€rkte mit einer eigenen Vertriebseinheit (d.h. DFL INTERNATIONAL GmbH) selbst in die Hand zu nehmen. Vor allem die lokale Marktentwicklung sollte von einer direkten Beziehung mit den Lizenznehmern in den jeweiligen MĂ€rkten vorangetrieben werden können. Gleichzeitig behĂ€lt man die Kontrolle ĂŒber die Auswahl der Lizenznehmer und bekommt unmittelbares Feedback von den Lizenznehmern zur Optimierung des Vermarktungsprozesses und Produkts. Zwar glaube ich, dass man fĂŒr sehr kleine MĂ€rkte auch in Zukunft auf das internationale Netzwerk und weiteren Möglichkeiten von Sportrechteagenturen (z.B. BĂŒndelung von verschiedenen Verwertungsrechten) zurĂŒckgreifen wird, jedoch sollten auch Optionen wie die umfassende Vergabe von Verwertungsrechten fĂŒr eine Vielzahl von Territorien an multinational operierende Pay-TV Anbieter wie Fox Sports oder die beIN Media Group als attraktiver als der komplette Kontrollverlust durch die Vergaben an beispielsweise die Perform Group oder IMG angesehen werden.

 

 

Schlussendlich kann die Aussage auch als deutlicher Seitenhieb in Richtung der italienischen Serie A interpretiert werden: Das alle internationalen MĂ€rkte umfassende Vermarktungsmandat von IMG durch die Serie A im Gegenzug fĂŒr eine jĂ€hrliche Garantiesumme von EUR 340 Mio. ĂŒber den Zeitraum der kommenden Rechteperiode (2018-2021) kann als komplett gegensĂ€tzliche Herangehensweise an die Entwicklung von internationalen MĂ€rkten, die aller Wahrscheinlichkeit nach der Wachstumstreiber fĂŒr zukĂŒnftige Erlössteigerungen sein werden, angesehen werden. Kurzfristig sollte der traditionelle Weg wohl auch der ertragreichere und / oder sichere Weg sein. Eine direkte Beziehung zu den letztendlichen Lizenznehmern und nachhaltige Marktentwicklung sieht jedenfalls anders aus. 

 

Abschließend lĂ€sst sich festhalten, dass die DFL meiner Meinung nach in vielen Aspekten sehr gut fĂŒr eine Zukunft in einer digitalen Welt positioniert ist - vermutlich besser als die grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Konkurrenten.

 

Mein Favorit unter den Podcasts aus der letzten Woche war  🎧Forbes Sports Money – Jeffrey Moorad Predicts Sale Price For Carolina Panthers: Darin geht es vor allem um den anstehenden Verkauf der Carolina Panthers. Diesen hatte der bisherige Besitzer der NFL - Franchise aus Charlotte (North Carolina) Jerry Richardson angekĂŒndigt nachdem Ermittlungen wegen "Fehlverhalten am Arbeitsplatz" gegen den mittlerweile 81-JĂ€hrigen aufgenommen wurden. Laut aktuellen Medienberichten sollen derzeitige Gebote inzwischen die USD 2,5 Mrd. - Marke erreicht haben. Damit wĂŒrden die Houston Rockets aus der NBA, die vom langjĂ€hrigen Besitzer Leslie Alexander in einem Ă€ußerst kurzfristigen Prozess im vergangenen September fĂŒr USD 2,2 Mrd. an den GeschĂ€ftsmann (u.a. Alleinbesitzer und CEO der Restaurant- und Entertainmentkette Laundry's) und TV-Persönlichkeit (u.a. Reality Game - Show "Billion Dollar Buyer") Tilman Fertitta verkauft wurde, den Titel der teuersten jemals am Markt gehandelten Sports Franchise nach nur gut einem halben Jahr wieder abgeben mĂŒssen. 

Die HintergrĂŒnde und Limitationen eines Verkaufs bzw. Erwerbs einer Franchise in der NFL sind faszinierend und ich werde mich in den nĂ€chsten Wochen nochmal im Rahmen eines detaillierten Beitrags mit diesem Thema auseinandersetzen. Da ich allerdings derzeit Besuch aus Deutschland hier in Boston habe und mich gleichzeitig mit den Midterm-Exams an der Boston University herumschlage, wird dieser Artikel noch ein paar Tage auf sich warten mĂŒssen. 😉

 

 

Das komplette Archiv meiner bisherigen Empfehlungen findet Ihr wie immer hier:

 

📰 ArtikelÂ Â đŸ‘ˆđŸŒ

🎧 PodcastÂ Â đŸ‘ˆđŸŒ
 

Ich wĂŒnsche Euch einen erfolgreichen Abschluss der Arbeitswoche. Zudem wĂŒrde ich mich ĂŒber jedes Feedback oder einen Like meiner  âžĄïžFacebook - SeiteÂ âŹ…ïž sehr freuen! 😉

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